Illustration Die Karwoche

Die Osterwoche und die Karfreitagsprozession

Wenn man sich auf die wenigen Publikationen zu diesem Thema bezieht, ist die Karfreitagsprozession zurückzuführen auf Saint Vincent Ferrier, der 1350 in Valencia geboren wurde.

Genau wie Jesus wurde auch dieser große Dominikaner auf seinen Reisen durch die romanische Welt von tausenden gläubigen Anhängern begleitet. Überall, wo der Heilige entlang kam, bildeten sich gewaltige Prozessionen heraus.  Die Büßer trugen , so wie es  der Brauch zu dieser Zeit vorsah, ein dunkles Kleidungsstück als Zeichen ihrer Buße und Demut.  Ihr Marsch , auf  welchem Banner bereits die Instrumente der Passion und ihren generellen Verlauf abbildeten, wurde angeführt von einer  rot bekleideten Person, die eine Eisenglocke trug.

Es ist der selbe rote Büßer (Caparutxa genannt), der Regidor, der heute den Rhythmus der selben Glocke und die Tragik des bedächtigen Festzugs durch das Labyrinth der alten Straßen von Perpignan bestimmt.

Am 11. Oktober 1416, wurde in der Kirche Saint-Jaques in Perpignan die Brüderschaft de la Sanch (zu Deutsch Blut) gegründet, so wie in einigen Städten Spaniens, wo noch einige Bußbrüderschaften fortbestehen, von denen Sevilla die bekannteste ist. Diese begleitete die Gefangenen und zum Tode Verurteilten bis zum Folterpfahl zum schaurigen Klang von Kirchenliedern, wie dem «miserere des pendus».

Von 1777 bis 1949, wurde der Prunk der altertümlichen Prozession, die sich bis in die Nacht in den Straßen der Stadt (so auch heute noch in denen Collioures  und Arles-sur-Techs) abspielte durch den begrenzten Rahmen der Kirche Saint-Jaques eingedämmt. 

Erst im Jahre 1950, wurde die jahrhundertelange Tradition wieder aufgenommnen, und zog sich erneut durch die ganze Stadt.

Aber über den langen, tragischen Festzug der schwarzen Büßer hinaus, dessen Marsch rhythmisch zum düsteren Klang der mit schwarzem Krepp verschleierten Trommeln verläuft, sind es zwei eng miteinander verbundene Bestandteile, die die bestechende Schönheit und das spektakuläre an der Karfreitagsprozession ausmachen:  les misteris et les goigs.
 

Les misteris sind die Darstellungen der einzelnen Szenen der Passion in Lebensgröße.

Der Christ, der sein Kreuz trägt und der Christ, der an sein Kreuz genagelt ist beenden den langen Parademarsch dieser bunten Freskomalerei. Das Juwel der Prozession ist unbestritten der fromme Christ auf seinem prunkvollen Bett vor der Kathedrale.

Bereits früh morgens, während überall in der Altstadt die bunten Blüten der Altäre wie ein Hoffnungsschimmer aufgehen und die Balkone mit schillernden Vorhängen geschmückt sind, schallen die Kirchenlieder, die goigs. Diese traditonellen Lieder, die  vor dem 15. Jhd. eher mit dem Jubel um Maria verbunden waren, sind seltsamerweise ab dem 15. Jhd. die mit Traurigkeit gefüllten Gesänge geworden, die die Leidensgeschichte Marias vor dem Kruzifix bildhaft erzählen.

Auch sie werden im Gemenge des Trommelwirbels den langen Festzug dieser Karfreitagsprozession begleiten, die weiterhin eines der ergreifendsten und spektakulärsten Ereignisse in der Region Roussillon bleibt, wo das Weltliche und das Heilige unaufhörlich miteinander einhergehen.

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